Als kleines Mädchen sagte ich, dass ich als Erwachsene „Doktorin der Seelen“ werden wolle.
Selbstverständlich wurde ich ausgelacht und dieses bereits „wilde“ kleine Mädchen zog sich in sich selbst zurück und fand Zuflucht in der Natur. Im Heranwachsen vergass sie diesen inneren Ruf und diese Sehnsucht, woraus ein tiefes Unwohlsein entstand.
Mein Lebensweg kreuzte eine bioenergentische Gruppe, traf auf zwei Therapeutinnen und in Ver‑bindung mit ihnen, auf Pir Vilayat Inayat Khan. Die erste Begegnung mit Pir Vilayat im Jahr 1978 in der Kanqah in Suresnes, war eine überwältigende Erfahrung von Licht, die mir erlaubte, die Erinne‑rung an das Projekt meiner Inkarnation wiederzufinden, „Doktorin der Seelen“, werden zu wollen... und diese drei Worte ließen mich nicht mehr los, auch wenn der Weg ziemlich mysteriös bleibt!!
Es folgte eine intensive therapeutische Arbeit, die sehr eng mit dem Sufi‑Weg verbunden war (durch Einzelretreats über viele Jahre). Dies ermöglicht mir unter anderem, hier die drei Schlüsselmomente zu benennen, die die Grundlage meiner heutigen Arbeit bilden.
So finde ich zunächst die Erinnerung an den Verlust eines Zwillings im Mutterleib wieder.
Dann die eines früheren Lebens in dem ich als kleines Mädchen die Vernichtung einer Mutter, einer „Heilerin“ durch eine Gruppe von machthungrigen Männern erlebte, die sie das Schicksal der sogenannten Hexen er‑leiden ließen. Dieses Kind ist verwaist, verlassen und wird später für die Wahrheit kämpfen.
Dritter Punkt: Ich finde einen Heiler in meinem Stammbaum.
Zu dieser Zeit kam ich durch die Arbeit an mir selbst mit dem großen Wunsch zu heilen in Kontakt. Dies ist die einzige Möglichkeit, die Aufgabe meiner Inkarnation, die Wiedervereinigung der Seelen, ihre Verbindung mit dem Göttlichen, zu erfüllen.
Das ist in wenigen Worten ‑ kurz und bündig ‑ der Werdegang von Jahrzehnten.
Und dieser führte mich in diese Sufi‑Ausbildung über den Heilungsprozess, die wir gemeinsam durchlaufen haben (den Internationalen 2‑Jahres‑Kurs im Inayatiyya Heilen 2019‑2021).
In diesen beiden Jahren wurden die zuvor beschriebenen Erfahrungen reaktiviert und führten in ge‑wisser Weise zu diesem Heilungsprozess.
- Die Verbindung mit dem verlorenen Zwilling aufzunehmen, dieses grundlegende Ereignis anders zu lesen (meine Einzigartigkeit zu behaupten, meinen Platz zu finden...) und seine einzigartige Führung zu akzeptieren.
- Den Groll, die Schuld, die abgrundtiefe Traurigkeit, die Angst, das Verurteilen und Machtgehabe zu überwinden und diese andere Art der inneren Führung zu akzeptieren und zu leben, die Führung dieser Heilerin, die heute wieder in ihre Heilkraft zurückversetzt ist.
So konnte ich im Laufe unserer Ausbildung die Anwesenheit dieser beiden Mich‑Führenden in mei‑nem Leben akzeptieren und Heilung als die Wiedervereinigung der Seelen definieren, indem Brü‑cken von schmerzlichen, zutiefst körperlich verankerten Erinnerungen überquert werden. Die Ver‑bindung mit der Seele und ihrer Wirklichkeit in jedem Augenblick unseres irdischen Lebens ist für mich der Weg der Heilung. Unsere Seele zu einer Wirklichkeit werden zu lassen, zu einer Brücke zwischen unserer Inkarnation und dem Göttlichen.
Wie also verläuft diese Heilarbeit
konkret in der Praxis?
- Wenn ich eine Patientin (bzw. einen Patinten) empfange, gibt es eine sogenannte Zeit der Entspan‑nung, eine Einstimmung.
- Danach erfolgt ein Austausch, eine Begegnung, in der die Person, das, was ihr am Herzen liegt, zur Sprache bringt und ihre Motivation erläutert: Machmal, wenn die Patientin in diesem Austausch auf etwas Bedeutungsvolles trifft, tauchen Empfindungen von Vibrationen auf.
- Dann legt sich die Patientin hin. Ich scanne den Körper, mache Bereiche ausfindig, die anziehen, abstoßen, die leer, kalt, heiß, dicht sind, wo kleine Splitter zu spüren sind...
- IDann mache ich kleine, sehr subtile Schwingungen an den Gelenken, in bestimmten Bereichen des Körpers vom Fuß bis zum Ende des Kopfes.
- Ich fühle die Chakren (Farben, Streuung, Wirbel, Trägheit, Strahlung, Gleichgewicht...)
- Diese Schritte erlauben den Abstieg in dem Körper und das Aufsteigen von Erinnerungen, die manchmal emotional, ein anderes Mal in Stille erlebt werden, die aber körperlich intensiv verankert sind.
- Während der verschiedenen Schritte bin ich ein Kanal, wie in einem Heilkreis, und empfange die Energie des heiligen Geistes... Was getan werden muss, wird getan.
- Spontan tauchen einige Wazaif in meinen Gedanken auf.
- Das, was enthüllt wurde, wird gereinigt, innerlich Ya Shafi ‑ Ya Kafi rezitierend.
Dann ruhen die Hände auf dem Körper und ermöglichen eine Art der Umprogrammierung, die oft von einer großen Ruhe, Erfahrungen von Licht oder von Farben, bzw. von Worten begleitet wird. Dies erlebt jede/r Patient:in anders.
- Mit wieder erhobenen Händen, sage ich innerlich: O Du, Heiler: in unserer Körper, unserer Herzen und unserer Seelen, gib, das sie, bzw. er durch deine Barmherzigkeit, durch deine allmächtige Heilkraft geheilt wird. Amen.
Jede/r Patient: in bringt mich weiter.
Ich stehe im Dienst des Heilungsprozesses.
Heute fühle ich eine tiefe Dankbarkeit für den Weg, der es mir erlaubt hat, diese Reisen mit euch zu teilen.
Heute bin ich zutiefst dankbar, das ich diese Ausbildung (im Inayatiyya Heilen) erleben durfte, dankbar gegenüber euch allen und gegenüber unseren Lehrer: innen.
Von Herzen
Kaliani